Manfred R. Martin
Artikel 18: Zu den für die Eiszeitglaziologie wichtigen kleinen Hohlformen und zur Frage des Entstehens der Sölle
In der Vorrede des im viademica.verlag berlin erschienenen Bandes heißt es:
In den jüngeren großen Kompendien zur Geomorphologie finden sich zu den sogenannten 'kleinen Hohlformen' [den außerhalb von Seen gelegenen Bodensenken] vielfältige sachliche Informationen, oft verbunden mit umfangreichen Überlegungen zum Entstehen der verschiedenen Kategorien dieser Senken. In der Literatur ist auch mancher unnütze Meinungsstreit dokumentiert, bei dem die Kontrahenten wegen Nichtbeachtung des 'feinen' zufälligen Unterschiedes zwischen einer bloß allgemeinsprachlich verschieden bezeichneten Erscheinung auf der Erdoberfläche (Vertiefung, Loch, Mulde, Wanne, Senke, Kessel, etc.) und einer gesetzmäßig als Doline, Pingo-Narbe, Riesenkessel oder Soll entstandenen kleinen Hohlform aneinander vorbeiredeten. Daneben gibt es Meinungen, wie die zwar kaum [nicht hinreichend] begründete, aber nichts desto trotz über Autoren-Generationen hinweg fleißig kompilierte Spekulation, wonach viele der kleinen Hohlformen sog. "Toteislöcher", sein sollen. Abgesehen von dieser (auch von den führenden Geographen und Geologen vertretenen) Meinung, die eo ipso keinen Beweis für Glazialtätigkeit führt, scheint es dennoch, als könnten gewisse kleine Hohlformen in den ehemaligen Permafrostboden-Regionen Indizien für das Bestehen und die Wirkung kaltzeitinitiiert entstandener Glaziale von Binnenlandvereisungen sein; sie verdienen daher das Interesse der Eiszeitglaziologie.
Der vorliegende Artikel [18] soll Klarheit darüber schaffen helfen, welche der in ehemaligen binnenländischen Vereisungsgebieten rezent vorkommenden kleinen Hohlformen glaziogen [durch Glazialwirkung] und welche der kleinen Hohlformen nicht durch Glazialwirkung entstanden sind bzw. in welchem Zusammenhang das Entstehen der letzteren mit dem Glazialzeitgeschehen zu sehen ist.
Das klassische Soll Bildzitat aus JENTZSCH [Lit.2786]
Die Sölle entstanden in vorgeschichtlicher Zeit; ihr Entstehen wurde auf verschiedene Art zu erklären versucht, was im folgenden kurz referiert wird:
SILBERSCHLAG (→P 420) hielt (1780) die vielen Sölle der Uckermark für vulkanische Auswurftrichter und plädierte für die Eruptionshypothese des Soll-Entstehens (→18/ 2.52) |
Auf MEYN (→P 342), der (1850) in den Söllen das äußere Erscheinungsbild von (unterirdischen) Erdfällen sah, geht die Auslaugungshypothese des Soll-Entstehens zurück (→18/ 2.53). |
![]() E.GEINITZ (→P 300) und sein Berliner Kollege BERENDT (→P 182) gingen (1879) unabhängig voneinander von der subglazialen Bildung der Sölle aus: sie begründeten das Soll- Entstehen als Ergebnis der strudelnden Wirkung der Schmelzwässer und mithin die Evorsionstheorie des Soll-Entstehens. Im Gegensatz zu BERENDT, der seine Auffassung revidierte, hielt GEINITZ lebenslang an seiner Auffassung fest (→18/ 2.57). |
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ULE (→P 481) meinte, dass die Sölle Bodensenken sind, die durch Austauen von einst liegengebliebenen Toteisschollen entstanden und entwickelte (1890) die Senkungs-Theorie des Soll-Entstehens(→18/2.59) |
A. STEUSLOFF (→P 356) vertiefte (1896) die ULE'sche Auffassung; seine Erklärung des Soll-Entstehens wird unter der Bezeichnung 'Einsturz-Hypothese' geführt (→18/ 2.59). |
(→P 322) meinte (1898) auf Grund der Tatsache, dass die in vielen Söllen austre¬tende Sole mit dem Grundwasser verbreitet wird und führte die Existenz der Sölle auf verborgene Tiefenbrüche zurück (→18/ 2.14). |
JENTZSCH (→P 238) begründete (1911) mit der Behauptung, dass die Sölle als Enderscheinung der Verlandung abflussloser Seen anzusehen seien,die Verlandungshypothese des Soll-Entstehens (→18/ 2.54). |
Einen wesentlichen Beitrag zur Vertiefung der Erkenntnisse über die Sölle leistete W. RÖPKE, der (1926,1928) die 'Intramoräneneis-Schmelztheorie' des Soll-Entstehens entwarf.
TROLL erinnerte (1962) an die Forschungen von MAARLEVELD, der die Permafrosttheorie ['Pingotheorie'] des Soll-Entstehens vertrat.
In jüngster Zeit hat sich DREGER (2001) um die Vertiefung der Erkenntnisse um die Soll-Entstehung verdient gemacht.
Im Artikel 18 wird herausgestellt, das lediglich echte Sölle glaziogen entstanden und mithin Gegenstand der Eiszeitglaziologie sind.
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SILBERSCHLAG (→P 420) hielt (1780) die vielen Sölle der Uckermark für vulkanische Auswurftrichter und plädierte für die Eruptionshypothese des Soll-Entstehens (→18/ 2.52)
Auf MEYN (→P 342), der (1850) in den Söllen das äußere Erscheinungsbild von (unterirdischen) Erdfällen sah, geht die Auslaugungshypothese des Soll-Entstehens zurück (→18/ 2.53).
E.GEINITZ (→P 300) und sein Berliner Kollege BERENDT (→P 182) gingen (1879) unabhängig voneinander von der subglazialen Bildung der Sölle aus: sie begründeten das Soll- Entstehen als Ergebnis der strudelnden Wirkung der Schmelzwässer und mithin die Evorsionstheorie des Soll-Entstehens. Im Gegensatz zu BERENDT, der seine Auffassung revidierte, hielt GEINITZ lebenslang an seiner Auffassung fest (→18/ 2.57).
ULE (→P 481) meinte, dass die Sölle Bodensenken sind, die durch Austauen von einst liegengebliebenen Toteisschollen entstanden und entwickelte (1890) die Senkungs-Theorie des Soll-Entstehens(→18/2.59)
A. STEUSLOFF (→P 356) vertiefte (1896) die ULE'sche Auffassung; seine Erklärung des Soll-Entstehens wird unter der Bezeichnung 'Einsturz-Hypothese' geführt (→18/ 2.59).
(→P 322) meinte (1898) auf Grund der Tatsache, dass die in vielen Söllen austre¬tende Sole mit dem Grundwasser verbreitet wird und führte die Existenz der Sölle auf verborgene Tiefenbrüche zurück (→18/ 2.14).
JENTZSCH (→P 238) begründete (1911) mit der Behauptung, dass die Sölle als Enderscheinung der Verlandung abflussloser Seen anzusehen seien,die Verlandungshypothese des Soll-Entstehens (→18/ 2.54).